Oldtimer mit E-Antrieb, Sakrileg oder der Weg in die Zukunft?

Oldtimer mit E-Antrieb, Sakrileg oder der Weg in die Zukunft?

Egal ob bei der Stammtischrunde, dem Oldtimertreffen oder im Online Forum, das Thema E-Antrieb in klassischen Fahrzeugen polarisiert. Für die einen grenzt es an Blasphemie, den original Verbrenner gegen einen batteriebetriebenen Motor zu ersetzen. Die anderen sehen es als eine Möglichkeit, mit der Zeit zu gehen und ihre Schätze mit neuem Herz umweltbewusst im Alltag zu bewegen.

Elektroautos sind keine völlig neue Erfindung. Die Geschichte des ersten batteriebetriebenen Fahrzeuges geht bis ins Jahr 1888 zurück. Im oberfränkischen Coburg wurde der Flocken Elektrowagen entwickelt und brachte es auf eine stolze Leistung von 0.9 KW, bei einer Reichweite von 12 km und maximaler Geschwindigkeit von 15 km/h. Die Entwicklung war rasant und zur Jahrtausendwende hatten die E-Fahrzeuge in den USA einen stolzen Marktanteil von 38%. Aber mit der Erfindung des elektrischen Anlassers für Benzinmotoren, welcher das schwierige Ankurbeln ersetzte, und des immer billigeren Rohöls waren E-Fahrzeuge bis zum Jahr 1920 immer seltener anzutreffen.

Erst mit den 1990er Jahren und dem steigenden Umweltbewusstsein konnten die Elektromobile ihr Nischendasein langsam wieder ablegen. Durch immer fortschrittlichere Akkumulator-Typen konnte die Reichweite erhöht und damit auch die Alltagstauglichkeit verbessert werden. Mit Tesla an der Spitze hat nun fast jeder große Automobilhersteller mindestens ein Modell mit Hybrid oder reinem E-Antrieb im Programm.

Mit der stetigen Entwicklung und Vereinfachung der Technik tauchen auch immer mehr Old- und Youngtimer mit alternativen Antrieben auf. Die Motivation für die Umrüstung eines Klassikers variiert. Viele möchten den praktischen Nutzen steigern und ihren Oldtimer, ohne wöchentlich Stunden in der Werkstatt zu verbringen, unbekümmert im Alltag bewegen. Dazu wird der reparaturanfällige Verbrenner gegen den praktisch wartungsfreien Elektromotor ersetzt. In der Regel kann dabei die originale Optik, innen wie auch außen, beibehalten werden. Komponenten wie z.B. Steuergeräte, Kühlung und Akkus lassen sich Dank kompakter Bauweise geschickt verstecken.

Andere möchten ihrem Schatz eine kleine Leistungsspritze verpassen und ein Zeichen in Sachen Umweltbewusstsein setzten. Beliebte Kandidaten dabei sind z.B. VW Käfer oder Fiat 500. Gegenüber den eher leistungsschwachen Benzinmotoren, mit denen sie vom Band liefen, sorgt ein drehmomentstarker E-Motor für ganz neuen Fahrspaß.

Viele Enthusiasten argumentieren aber auch gegen die Frankenstein Transplantation. Für sie machen gerade die Sound-Kulisse und der Geruch nach Öl die wirklich wahren Oldtimer-Erfahrungen aus und ein leise summender, emotionsloser E-Motor kann da einfach nicht mithalten. Sie empfinden das Warten und Schrauben am Spritschlucker nicht als Leid, sondern als Segen. Weiterhin fürchtet man den Schwund im Widerverkaufswert der rollenden Kulturgüter bei permanenten Umbauten, denn meist bemisst sich dieser am Grad des Originalzustandes.

Zum Vergleich hier einmal drei verschiedene Wege für eine Umrüstung am Beispiel eines VW Käfers.

Wer nicht davor zurückschreckt, selbst zu schrauben, kann mit der Do-It-Yourself Variante von EV-Europe sparen. Diese startet bei rund 8.000 Euro, exklusive Batterien. Für die Akkus werden dann je nach gewünschter Reichweite nochmal 5 bis 20 Tausend Euro extra aufgerufen. Die Firma Voltimer aus Baden-Württemberg wirbt mit erschwinglichen Preisen unter 30 Tausend Euro für den Komplettumbau und Reichweiten von 70 km. Wer bereit ist bis zu einhundert Tausend Euro zu investieren, kann sich den e-Käfer der Manufaktur Murschel bestellen. Dieser kommt dann aber auch mit einer Reichweite von über 200 km, modernisiertem Fahrwerk und Innenraum.

Nüchtern betrachtet ist wohl jedem klar, dass sich der Umbau, trotz Einsparpotential des alternativen Antriebs, in der Lebenszeit des Klassikers nie wirklich rentieren wird. Doch wie so oft bei unserem geliebten Hobby macht nicht immer alles einen finanziellen Sinn und das muss es auch nicht. Für uns geht es darum Spaß zu haben und gleichzeitig altes Blech als Kulturgut auf deutschen Straßen zu wahren, sei es im Original oder mit batteriebetriebenem Ersatz.

Besuchen Sie gerne auch unsere weiteren Artikel zum Thema 3D-Druck und Rekonstruktion für Oldtimer und klassische Automobile

Blog

Im Blog berichten wir über die Erfahrungen im Bereich Rapid Prototyping und die genutzten Fertigungsverfahren bei der Ersatzteil Rekonstruktion.

Sie können kein geeignetes Ersatzteil auf dem Markt für Ihren Oldtimer finden?

Fragen Sie hier Ihre gewünschten Oldtimer Ersatzteile an!